„Man vergisst so leicht, wie grauenvoll die Welt ist.“ 

Es ist das Schlimmste was Eltern passieren kann. Ein dreizehnjähriges Mädchen aus behütetem Elternhaus wird nachts von einem Unbekannten aus dem Kinderzimmer entführt. Die kleine Schwester, welche sich im Wandschrank versteckt, ist die einzige Zeugin. Ein Horrorszenario für die Eltern Anna und Tom. Ein unerträgliches Schicksal für die gesamte Familie, die mit der Ungewissheit zum Verbleib und dem Zustand ihrer Tochter schonungslos zurückgelassen wird. Eines Tages steht Julie als einundzwanzigjährige junge Frau vor der Tür. Nach dem unfassbaren Glück kommen die ersten Zweifel. Julie lügt und hat Geheimnisse. Ein Privatdetektiv schürt das Misstrauen der Mutter Anna noch mehr. Ist Julie wirklich die gleiche Person die vor acht Jahren entführt worden ist?

Lieblingssätze:

„Man vergisst so leicht, wie grauenvoll die Welt ist. Eine Tragödie erinnert uns daran. Daher wirkt sie läuternd.“

„Ich hielt den Atem an und dachte: Das geht vorüber. Wenn sie erst ein Teenager ist, wird sie zur Vernunft kommen. Genau wie ich. Sie hat es nicht bis dahin geschafft.“

„Dabei kann jeder nur nach den Bedingungen gut sein, die die Welt ihm zugesteht.“

Fazit:

Die Idee der Story finde ich sehr gut. Mit der Umsetzung konnte ich mich allerdings nicht recht anfreunden. Zum einen kam ich in die Handlung schlecht rein; zu viele Sprünge durch verschiedene Erzählperspektiven – dieses stilistische Mittel finde ich meist eher gut – nur hier war es störend und verwirrend. Die verschiedenen Charaktere bildeten für mich am Ende kein Gesamtbild und blieben mir zu oberflächlich. Als Thriller würde ich diesen Roman auch nicht betiteln, da die Spannung nur an wenigen Stellen greifbar war – und wenn dann blieb auch diese an der Oberfläche. Spannender als die Handlung war für mich eher die Familiendynamik und der Mutter-Tochter-Konflikt. Der Schluss war ab dem letzten Drittel absehbar und ist stimmig. Der Schreibstil ist flüssig und man konnte gut „durchlesen“. Es ist allerdings ein Roman welchen ich meinen Freunden und Familien nicht weiterempfehlen würde. Nett zu lesen und Story ist gut, aber im Vergleich mit anderen Thrillern eher mau.

  • Roman Thriller
  • Bertelsmann Verlag erschienen Februar 2017
  • Wertung: 3/5 Sterne
  • Gelesen: März 2017

! Achtung Spoiler:

Für mich ist die psychologische Message des Romans, dass in einer Person viele Persönlichkeitsanteile stecken. Und umso mehr dieser Mensch in seinem Leben an Leid erfährt und auf Widerstände stößt, desto mehr passt sich dieser an seine Rollen an bzw um zu überleben muss er in verschiedene Rollen schlüpfen. Diese Persönlichkeitsentwicklung wird im Buch versucht darzustellen und ist als Hintergrundidee sehr gut. Nur wie oben gesagt empfinde ich die Umsetzung nicht stimmig und verwirrend.