„Für mich war Liebe nur eine andere Form von Macht.“

In einem fiktiven letzten Brief erzählt Paulo Coelho das Leben der berühmten Mata Hari. Während sie – durch die Feder des Autors – diesen Brief an ihren Anwalt schreibt, hofft sie inständig kurz vor ihrer Hinrichtung aus der Haft entlassen zu werden. Coelho beschreibt in seinem aktuellen Roman – Die Spionin – die wahre Geschichte einer furchtlosen und selbstbestimmten Frau zu Beginn des ersten Weltkrieges. Wie sie aus einer lieblosen, brutalen Ehe flüchtet und Mann und Kind verlässt. Sich unter ihrem Künstlernamen Mata Hari auf den Pariser Bühnen eine neue Identität als orientalische Tänzerin erschafft. Sie wollte immer frei und unabhängig sein – keine Liebe, nur Lust und Hingabe. Bis sie sich ausgerechnet in einen russischen Hauptmann verliebte und sie ab sofort als gefährliche Doppelagentin galt. In der Erzählung stützt sich der Autor auf inzwischen zugängliche Geheimdokumente.

Lieblingssätze:

Mata Hari: „Denn das habe ich immer gesucht: die Freiheit. Ich habe nicht die Liebe gesucht. Denn die Liebe kommt und geht …. . “

Madame Guimet: „Mein erster Ratschlag: Verlieben Sie sich niemals! Mein zweiter Ratschlag: Verlieben Sie sich nie in jemanden, der schon vergeben ist!“

Mutter: „ … und versuche nie, nie die Zeit abzukürzen.“

Zitat: „Ihre Sünde bestand darin eine Frau zu sein; in der noch größeren Sünde, frei zu sein.“

Fazit: Mir hat der neue Roman von Paulo Coelho sehr gut gefallen. Im Versuch all die sehnsüchtigen und philosophischen Zeilen aufzusaugen bin ich gescheitert, da es „Coelho-typisch“ viele sind. Gerade die ersten einhundert Seiten beinhalten wieder wundervolle Sätze und Zitate, dass mein Bleistift auf fast jeder Seite unterstrichen und markiert hat. Danach wird der Roman, der auf einer wahren Biografie beruht, auch zu eben dieser. Nachdem Mata Hari in diesem fiktiven letzten Brief mit ihrer Geschichte fertig ist, wandelt sich das Buch in einen „Tatsachenbericht“ oder besser gesagt „Zusammenfassung der Fakten“. Dennoch tut es dem Roman keinen Abbruch. Er wird nur etwas weniger sehnsüchtig. Die Einfühlung des Autors in Mata Hari ist glaubwürdig und meines Erachtens wundervoll beschrieben.

Für Leserinnen, die sich mit freien und liebenden Frauen identifizieren, ist dieses Buch und die Figur der Mata Hari ein Muss.

Wer allerdings eine reine Biografie der Person Margaretha Geertruida Zelle und eine Nachbildung über ihr Leben erwartet, wird in diesem Roman auf Lücken stoßen. Der Autor erklärt in einem Interview, dass in dem imaginären Brief die Grenzen zwischen Fakten und Phantasie fließend sind – was durchaus seine künstlerische Freiheit rechtfertigt. Das Buch ist ein guter Einstieg um mehr über die Figur Mata Hari erfahren zu wollen.

  • Roman
  • Diogenes Verlag 11/ 2016
  • Wertung: 5/5 Sterne
  • Gelesen: Anfang Februar 2017