„Das Schicksal hat viel mehr Phantasie als wir.“

Eine ältere Frau, welche allein in Triest lebt, schreibt einen langen Brief an ihre Enkelin, den sie allerdings nicht abschicken wird. Die Geschichte der Großmutter umfasst drei Generationen von Frauen in einem Jahrhundert. Es ist ein Rückblick auf das Leben und Schicksal einer Frau, welche Momente des Glücks und der Liebe erleben durfte und eben auch Trauer und Verzicht. Es ist eine Geschichte voller Weisheit und Zärtlichkeit und große Poesie.

Lieblingssätze: 

„… etwas, worin du immer lesen kannst, wenn du das Bedürfnis empfindest, mich bei dir zu haben.“

„An nichts stirbt man eher, als man an Schmerz stirbt, denn gegen den Schmerz kann man sich auflehnen, gegen das Nichts nicht.“

„Aber um stark zu sein, muß man sich selbst lieben; um sich selbst zu lieben, muß man sich von Grund auf kennen, alles von sich wissen, auch die verborgensten Dinge, die am schwersten zu akzeptieren sind.“

„Man darf nicht glauben, eine Schlacht gewonnen zu haben bedeute, den Krieg gewonnen zu haben.“

Fazit:

Dieses Buch war ein zufälliger Flohmarktfund und ich habe es innerhalb kurzer Zeit durchgelesen. Erst wollte ich aufgrund des kitschigen Titels dieses Buch nicht mitnehmen, doch hat es sich mir irgendwie „aufgedrängt“. Und ich bin sehr froh darüber. Zugegeben, ab und zu liest es sich etwas esoterisch und man könnte von der Großmutter den Eindruck bekommen, sie möchte mit der Enkelin „abrechnen“, da sie sie selbst allein gelassen hat. Teilweise klingt der Brief im direkten Dialog mit der Enkelin etwas verbittert und dennoch ist es ein schönes Résumé auf ein bewegendes Leben. Es geht um die große und nicht erfüllte Liebe – und das sie genau deswegen so groß bleiben konnte. Es geht um Lügen und ihre Folgen. Um Weisheit und Einsicht. Und der Rat an die nächste Generation sich auf die Biegungen und Kreuzungen im Leben einzulassen. Zu vertrauen, dass das Schicksal es gut mit einem meint und das hinter allem ein tieferer Sinn verborgen liegt.

Wertung: 4 von 5 Sternen

Diogenes Taschenbuch erschienen 1995

gelesen: September 2017

 

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