Sterne sieht man nur bei Nacht * Bernhard Straßer

„Geschenke der Nacht lehnte man nicht ab.“

Die Stadt, der Frühling, ein Hauch von Liebe und die Diagnose: Hans‘ Mutter hat Krebs.
Statt sich in die schöne Ellis zu verlieben, stürzt er sich ins Chaos des Lebens. Feiern, Reisen, Weglaufen. Wie kann man das Leben ertragen, wenn die Mutter bald sterben könnte. (Klappentext)

Der Roman von Bernhard Straßer lies mich anfangs ein bisschen zappeln, denn ich kam schwer rein. Der Anfang geschrieben wie eine Einleitung zum Theaterstück: „Im Bett liegt ein unglücklicher Hans, der überzeugt ist, dass endlich das Leben zurückgekehrt ist, wie zu seinen besten Zeiten.“, war für mich ungewöhnlich und machte mich dennoch neugierig.

Ich brauchte tatsächlich bis Paris, um Hans kennenzulernen. Dank Hans und seinen Freunden Ellis und Loni, habe ich mich zurückversetzt gefühlt in die wohl schönste Stadt der Welt. Auch das Hans und ich eine Hemingway Verehrung haben, hat mich mit Hans versöhnen lassen. Denn einfach ist der Protagonist nicht.  Psychologisch betrachtet, ist er ein wahrer Künstler der Verdrängungstaktik und die Krebserkrankung seiner Mutter nimmt ihn zwar sehr mit, aber er lässt niemanden an sich ran. Hungrig verschlingt er Paris im Eiltempo als wollte er vergessen, dass Zuhause der Tod auf ihn wartet.

Und dann die Zuneigung zu Ellis und die Leidenschaft für Loni. Würde ich eine Charakterstudie machen, dann hätte Hans keine guten Karten bei mir. Denn zum Schluß wählt er .. nun ja, ich will nicht Spoilern. Herz? Verstand? Beides? Gibt es das?

Der Roman beschönigt nichts. Nicht das Krebsleiden, nicht das Sterben und das ist richtig so. Die Unbeholfenheit der Umgebung. Die Verdrängung in der eigenen Familie. Das Unmögliche auszusprechen, fällt allen schwer.

Bernhard Straßer ist ein guter Roman gelungen, der Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und dem La Vie Facile.

Über Paris:

„Die ganze Stadt ist ein Fest fürs Leben. Wenn ich einmal sterben sollte, dann kann es im Himmel gar nicht schöner sein.“

über Loni Schneider:

„Ich habe genug gelitten, als auch nur eine verdammte Nacht darüber nachzudenken, ob es für die anderen richtig oder falsch ist, was ich tue.“

über Hans:

„Auf große Tage folgen Tage der Mittelmäßigkeit, die sich im Schatten der großen Tage kalt und trüb anfühlen.“

über Mutter von Hans:

„Nur seine Mutter lächelte, wie sie immer lächelte, wenn links und rechts neben ihr die Welt einstürzte und sie ein gutes Beispiel sein wollte.“

Ich bedanke mich beim Autor Bernhard Straßer für das Rezensionsexemplar. Dies hatte keinen Einfluß auf meine Meinung.

Unerwartete Nebenwirkung des Buches: Sehnsucht nach Paris! Behandlungsmaßnahme seit einigen Tagen: französische Popsongs und vin rouge.

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