Was das Leben kostet * Deborah Levy

„Ich war allein, und ich war frei.“

»Das Leben bricht auseinander. Wir versuchen es in die Hand zu nehmen, versuchen es zusammenzuhalten. Bis uns irgendwann
klar wird, dass wir es gar nicht zusammenhalten wollen.«
Wenn sich das Leben ändert, tut es dies meist radikal. Deborah Levy und ihr Mann gehen getrennte Wege, ihre Mutter wird bald sterben. Doch die entstehende Lücke bedeutet auch Raum für Neues. In präziser und suggestiver Prosa erschreibt Levy sich aus den Bruchstücken ihres alten Selbst ein neues und fragt: Was heißt es, frei zu sein – als Künstlerin, als Frau, als Mutter oder Tochter? Und was ist der Preis dieser Freiheit? „Jeder Satz ein kleines Meisterwerk“, schreibt „The Telegraph“, und so wird aus einer individuellen Geschichte ein lebenskluges und fesselndes Zeugnis einer zutiefst menschlichen Erfahrung.
„Herausragend und wunderschön, voller Witz und rasiermesserscharfer Einsichten.“ Financial Times Klappentext

Kennt ihr schon meine Rubrik „leise Bücher“? Leise Bücher erzählen für mich unaufgeregt und voller Philosophie und Lebensweisheit vom Lauf der Dinge.

Das Leben, wie es nunmal ist. Auf und Abs. Freude und Trauer. Und alles in reflektierter Form, so als würde man strickend und mit einem Martini im Schaukelstuhl sitzen und über die Vergangenheit nachdenken.

Was das Leben kostet ist so ein Roman, der mich nachdenken lässt über das Leben und über Erfahrungen, die jeden von uns treffen können.

Im Roman von Deborah Levy geht es genau um dieser Rückschau obwohl sie mitten drin steckt. Verlassen von ihrem Mann – ganz ohne Reue – erzählt sie vom Umzug mit ihren Teenagertöchtern. Alle Beteiligten werden nur am Rande erwähnt. Es geht um sie – die Autorin – wie sie ihr Leben nach der Trennung organisiert – als Autorin, als Mutter, als Tochter. Doch die Mutter stirbt. Fast zur gleichen Zeit verliert sie Menschen, die sie einst geliebt hat.

Was ich ganz herausragend fand, war die Betrachtung des männliches Bildes auf die Frau. Und die Frau die unbewusst oder bewusst sich jahrelang auf diese Spielchen und Klischees einlässt. Ich weiß nicht mehr, welche Hollywood Ikone sagte, dass eine Frau ab ca 50 für Männer unsichtbar wird und das dies wahnsinnig befreiend ist. So ähnlich erlebe ich die Autorin in diesem Buch. Sich nicht mehr an den Blicken der Männern messen, sondern den eigenen Weg gehen. Stark. Authentisch. Unbeirrbar.

Auch Levy´s wunderschöne poetische Sprache habe ich sehr genossen:

„Windstille. Sonnenschein. Ich schwamm unter Wasser. Und als ich zwanzig Jahre später wieder auftauchte, stellte ich fest, dass ein Unwetter ausgebrochen war ….“

Oft habe ich das Buch zur Seite gelegt und sinniert. Den Bleistift gezückt und angestrichen. Ich liebe solche leisen Bücher. Bringen sie mich doch am meisten zum Nachdenken. Lernen von Menschen die die Mitte schon überschritten haben? Wohl eher eine Bestätigung, dass nichts auf Dauer ist in diesem Leben. Alles wandelt sich. Auch im Alter. Nichts ist für die Ewigkeit. Und dieser Roman nimmt die Angst davor.

Deborah Levy zitiert die Duras (ich liebe sie!), Simone de Beauvoir und Brontë. Großartige Frauen die Wegbereiter der Emanzipation waren. Sogar Freud wird zitiert.

Lieblingszitat aus dem Roman:

„Freiheit ist nie umsonst. Wer je um Freiheit gerungen hat, weiß, was sie kostet.“

Ich werde auf jedenfalls mehr von dieser Autorin lesen. Und ich danke dem Hoffmann & Campe Verlag, dass ich Deborah Levy und ihren wunderschönen Roman kennenlernen durfte.

Das Buch habe ich aus Interesse beim Verlag als Rezensionsexemplar angefordert. Dies hatte keinen Einfluss auf meine Meinung!

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ISBN: 978-3-445-00514-1

Erschienen: April 2019 im Hoffmann & Campe Verlag

Hardcover: 20€  // Kindle: 14,99€

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