Kerouac & Burroughs * Schreiben mit Beat

„Follow your inner moonlight, don’t hide the madness.“ Allen Ginsberg

Inspiriert zu diesem Beitrag und überhaupt auf die Beat Generation bin ich durch meinen befreundeten Autor Christian Wicklein gekommen. Er ist der größte Beatniks Fan, den ich kenne und wenn er mit Leidenschaft von ihrer Philosophie erzählt, bekomme ich regelmäßig Gänsehaut. Deswegen bat ich ihn für meinen Blog einen Gastbeitrag zu schreiben. Und auch der hat mich umgehauen, weil mich seine Zeilen mitgerissen haben und sie lassen mich auf der Welle der Sympathie zusammen mit den großen Träumen von Kerouac, Ginsberg und Co reiten.

Was Wicklein und die Beatniks für mich gemeinsam haben, ist die pure Lust am Schreiben und die Idee mit ihren Denken und ihren Zeilen die Mauern der Moral und innere Grenzen einzustürzen. Schreiben, weil es ein innerstes Bedürfnis ist. Schreiben, weil man Worte geradeaus aufs Papier bringen kann, ohne vorher ständig durch alle möglichen Zensuren zu gehen. Schreiben in erster Linie für sich, weil es Spaß macht. Weil man etwas mitteilen will und seinem Instinkt folgt und einfach drauf los schreibt.

Waren Autoren vor der Zeit der Computer effektiver im Schreiben? Beim Klang der Schreibmaschine könnte man fast in eine Art Rausch verfallen – der antreibt immer weiter zu schreiben. Den Fluss bloß nicht unterbrechen. So muss es Jack Kerouac ergangen sein. Er schrieb ohne Absatz auf einer 37 Meter langen Papierrolle in drei Wochen sein Meisterwerk. Doch auch ein weiterer Genius seiner Zeit schrieb innerhalb kurzer Zeit auf ungewöhnliche Art und Weise ein verstörendes und grandioses Werk.

William S. Burroughs * Naked Lunch

IMG_6499Naked Lunch – geschrieben in Tanger auf dem Boden eines Hotelzimmers. Dutzende einzelne Blätter, die vom Autor William S. Burroughs und seinen Freunden Kerouac und Ginsberg zusammengesetzt wurden. Naked Lunch ist eher ein Protokoll über das Leben eines drogenabhängigen schwulen jungen Mannes als ein Roman. Burroughs sagte im Nachhinein selbst, dass er an sich an das Schreiben der Aufzeichnungen nicht mehr wirklich erinnern kann. Sogar den Titel hätte Jack Kerouac vorgeschlagen – so der Entstehungslegende nach.

Das Buch ist zugegeben nichts für Zartbesaitete. Nicht umsonst war es einige Jahre in den USA verboten. Es beschreibt eindeutige, teilweise sadistische Sexszenen und Drogenexzesse im Opiumrausch. Mit diesem Werk, welches man sicherlich heutzutage nicht mehr so schreiben könnte, machte sich Burroughs als Rebell gegen Kontrolle und die Gesellschaft unsterblich in der Beatnik- und gesamten Kulturszene. Weitere Werke des Autors: Junkie, Und die Nilpferde kochten in ihren Becken.

Meine Ausgabe ist übersetzt von Katharina von Behrens. Wahre Fans schwören auf die Übersetzung von Michael Kellner. Beide erschienen im Rowohlt Taschenbuch Verlag.

ISBN-13: 978-3499256448

Taschenbuch Rowohlt Verlag, 4. Auflage, Juni 2011

11 €

On the Road – Unterwegs * Jack Kerouac

322029ca-be07-439a-8944-8dcf581684a1The Beat goes on Sie sind immer «on the road», die Underground-Poeten der Beat Generation, immer unterwegs, auf Trips quer durch den amerikanischen Kontinent. Sie berauschen sich an der Natur, an Drogen, am Jazz, am Sex. Atemlos erzählt Jack Kerouac in seinem autobiografischen Roman von der Suche nach dem Glück, nach Freiheit, nach der großen Liebe, nach der ultimativen Party. «Unterwegs» wurde zu einem Kultbuch der Subkultur, einem Roman, der die amerikanische Literatur nachhaltig beeinflusst und Generationen von Lesern inspiriert und mitgerissen hat. «Das Testament der ‹Beat Generation› … Passagen von beinahe atemberaubender Schönheit … ein großer Roman.» (The New York Times)

Im April 1951 schrieb Jack Kerouac diesen Roman innerhalb von drei Wochen am Stück runter. Wie im Rausch und mit einem Rhythmus der aus einer magischen Welt zu stammen schien, hackte er über 500 Seiten in seine Schreibmaschine. Der Roman auf einer einzigen Papierrolle (37 Meter, die er mit einzelnen Seiten mittels Tesa zusammenfügte) hatte für ihn die Symbolik der Straße von Nordamerika bis hinunter nach Mexiko. In der Urfassung von On the Road verwendete Kerouac anstatt Pseudonyme die wahren Größen ihrer Zeit: Allen Ginsberg, William S. Burroughs und Neal Cassady.  Er offenbarte in seinem Meisterwerk die wahre und rohe Schönheit des Reisens – des unterwegs seins – die Suche nach Authentizität und absolute Direktheit und der große Traum einer neuen Zukunft, welchen Kerouac mit jeder Faser seines Seins gespürt haben muss.

ISBN-13: 978-3499253836

Taschenbuchausgabe Rowohlt Verlag: 10€

Übersetzungen: Ulrich Blumenbach und Michael Kellner

Ist es also möglich durch einen Rhythmus in einer Art magischen Zustand zu gelangen, der uns zwingt immer weiter zu schreiben? Das tatsächliche Tun in Verbindung des Klangs ein Geheimrezept einen kompletten Roman aufs Papier zu bringen? Müssen Autoren mit Schreibblockaden einfach nur fester und voller innerer Verrücktheit auf die Tastatur ihres Laptops hauen um den Beat zu spüren? Dieser Sound, der den Schriftsteller befreit, wenn das Werk endlich vollendet ist? Wenn die Wörter im Kopf unbedingt mit schwarzen Lettern auf weißem Untergrund erscheinen? Das große Ziel vor Augen: das Wort *E N D E* ?

Allein für diese Gabe beneide ich ehrfürchtig alle Schriftsteller dieser Welt. Nämlich all diejenigen, die sich hinsetzen und ihren Traum  SCHREIBEN !

Und Christian Wicklein – dich beneide ich dafür auch. Sehr. Und genauso danke ich dir für deinen Beitrag und deine Bücher in meinem Regal.

Hier geht es zum Gastbeitrag von Christian Wicklein über die Beat Generation

Und hier zu seinen eigenen Büchern

Kurzgeschichten Band * Holt die Kuh vom Eis

ISBN-13: 978-1793225115

Independently published Januar 2019

€ 9,99

Kurzroman * Und die Spitalbesucher kamen in Engelskostümen

ISBN-13: 978-1983215667

Independently published Juli 2018

€ 9,99

Kurzroman * Schuster 

ISBN-13: 978-1973357605

Independently published Dezember 2017

€ 9,99

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Buch & Schöpfer

Das Lesen & Schreiben ist wie Atmen und Fühlen.

2 Antworten auf „Kerouac & Burroughs * Schreiben mit Beat

  1. Wenn man auf längere Zeit schaut war Kerouac gar nicht so produktiv. Und selbst Burroughs mit seinen vielen schmalen Bändchen dürfte weit hinter manchem neueren Autor zurückbleiben. Man kann auch ohne Schreibmaschine in einen Fluss kommen. Ich diktiere zB meinem PC & komme seitdem viel besser voran…

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    1. Ich bin immer noch auf der Suche nach dem perfekten Flow. Und sauge jede Idee auf, um dahin zu gelangen. Ich konnte meinen inneren Kritiker noch nicht ausschalten und wollte versuchen ihn mit lautem Schreibmaschinenklängen zu übertönen. Diktieren ist auch noch eine Hemmschwelle, die ich übertreten muss…. Danke für den Tipp.

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