Orpheus * Salih Jamal

„Jetzt war sie mein Licht in der Nacht und mein Schatten am Tag.“ 

Neben Romeo und Julia die andere große Liebesgeschichte. Eigentlich weiß man, was passieren wird. Doch Salih Jamal bricht in seinem neuen Roman Orpheus mit allen Erwartungen. Gleich bei seinem Eingangsgedicht über den immerwährenden Kampf des Lebens versteht der Leser: Das, was jetzt kommt, ist etwas ganz anderes. So stürzt er in das erste Kapitel, das wie mit Maschinengewehrsalven in kleinen Absätzen die Not und Verzweiflung eines Mannes schildert, der seiner Liebe beraubt ist. Und schon ist man mitten in der Geschichte:

Der Rock- und Bluessänger Orpheus, ein Suchender in unserer Zeit, schlägt sich mit Nebenjobs durch die Tage. In Nienke begegnet er der Liebe seines Lebens. Sie arbeitet als Anwältin im Unternehmen seines Großvaters, des Patriarchen Zeus. Eines Tages findet sie Beweise, die Zeus in Verbindung zu einem viele Jahre zurückliegenden Mord an einer Frau bringen. Kurz bevor sie die Unterlagen bei der Polizei abgeben kann, verschwindet Nienke spurlos. Orpheus beginnt, sie zu suchen, und stößt auf ein Geflecht aus grausamen Familiengeheimnissen, Intrigen und Verrat. Am Ende lernt er loszulassen, um Nienke für immer zu finden. Klappentext

„Liebste, alles ist Kampf ….. Wir kämpfen für die Freiheit und gegen zu wenig. Wir alle kämpfen schon ewig.“

Allein dieser Auszug aus seinem Gedicht zwischen Prolog und Geschichte, hatte mich der Autor „gefangen“. Ich spürte, dass dies ein gutes Buch werden würde. Ein Roman der sich einbrennen wird auf meine innere Buchlieblinge-Festplatte.

Salih Jamal schreibt wortgewaltig & tiefgründig. Es geht in seinem Roman um übermächtige Familienbande, Allmacht der Gesellschaft und die verlorenen Seelen, die zwischen all diese Normen spüren und zu viel fühlen.

Mit seinen Figuren bringt Jamal die Archetypen des Olymps auf die Erde und bettet sie ein in eine korrupte Familienstruktur als Schauspiel in dramatischen Akten.

Was mich besonders gefesselt hat, waren die drei großen Fragen der Menschheit:

Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin?

Das Umschreiben des „Stirb und Werde“ gelingt dem Autor mit einer bewegenden Wortgewalt für alle Emotionen. Besonders für die dunklen und kalten. Mit Orpheus und seiner Suche nach seiner großen Liebe steigen wir in die emotionale Unterwelt und gehen mit ihm durch dunkle Tiefen bis ans Licht. Begleitet mit Hedonismus und Melancholie durchquert der Leser mit ihm den Fluss des Lebens – das Schicksal der Menschen.

„Ich wartete auf das letzte Licht des Abends, dann auf die Nacht und zuletzt auf den Morgen. … Angst, Einsamkeit und Trauer schlachteten meine letzten Engel.“ S. 213


Auch gesellschaftliche Kritik scheut der Autor nicht und spricht nebenher aktuelle und schon immer dagewesene Probleme der Menschheit an, welche aus Überfluss und Egoismus entstehen.

Wer tief in Gefühlswelten tauchen möchte und den Abgrund nicht scheut, dem kann ich dieses Buch nur ans Herz legen.

Poetisch, philosophisch aber niemals kitschig – einfach wundervoll. Leseempfehlung mit kräftigen Rotwein.

Auf YouTube erhaltet ihr einen schönen Einblick zum Roman.

Orpheus und Eurydike

Die Geschichte von Orpheus und Eurydike ist ein Göttereops der alten Griechen. Orpheus ist ein begnadeter Sänger und verliebt sich in die wunderschöne Nymphe Eurydike. Doch ihr Glück als verheiratetes Paar hielt nicht lang. Eurydike wurde von einer giftigen Schlange gebissen und starb. Orpheus, in tiefster Trauer, besang den Tod seiner Geliebten. Er fasste einen Plan und wollte seine Eurydike aus der Unterwelt zurückholen. Er stieg mit seiner Leier zu Hades hinab und spielte dort so wunderschön, dass allen Schattenwesen der Unterwelt die Tränen in die Augen stiegen. Persephone war gerührt, dass ein Mensch aus der Oberwelt hinab stieg, um seine Geliebte zurückzuholen. Auf ihr Bitten begnadete Hades Eurydike und lies sie holen. Als Eurydike langsam auf ihren Orpheus zulief, sagte Hades: „Noch nie sahen wir hier so viel Liebe, so hört unseren Entschluss: Führe deine Gemahlin zur Welt der Lebenden zurück und lebe in ehelicher Liebe mit ihr. Doch höre: Hüte dich den Blick zurückzuwenden, bis du die Unterwelt verlassen und das Tor durchschritten hast. Folgst du diesem Gebot nicht, so hast du Eurydike für immer verloren!“ Der Aufstieg war still und unheimlich ohne irgendein Geräusch. Kein Atemzug von seiner Geliebten, keine Schritte. Orpheus war irritiert und unsicher ob ihm Eurydike folgte. Er hielt es nicht länger aus und schaute sehnsuchtsvoll zurück. In diesem Moment schwebte Eurydike wieder in die Unterwelt: „Leb wohl, geliebter Orpheus.“

Oper „Orpheus und Eurydike“ von Christoph-Willibald Gluck

Orpheus & Eurydike von Gluck Rudolf Schock singt „Ach, ich habe sie verloren“ Berliner Symphoniker Dirigent: Wilhelm Schüchter.

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Buch & Schöpfer

Das Lesen & Schreiben ist wie Atmen und Fühlen.

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